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Gerontoneurologie

GerontoneurologieDeutschl et al. 2006, Thieme Verlag, Stuttgart / D

Rezensent: Christopher Kahl, Lehrer und Autor, Joggelacker 11, 5210 Windisch

Im vorliegenden Band der Referenz-Reihe Neurologie (RRN) handelt es sich um das erste Neurogeriatrie-Buch im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die Verbindung von Neurologie, einer klassischen medizinischen Disziplin, mit einer soziologischen, der Gerontologie, ist neu.

Die Bevölkerung Westeuropas altert und überaltert rapide, und Krankheiten des höheren resp. hohen Lebensalters fordern einen veränderten Fokus auf gerade die Neurologie des letzten Lebensabschnittes. Alte Menschen haben besondere biologische Voraussetzungen wie z. B. eine veränderte Resorption und einen dementsprechend herabgesetzten Metabolismus von Medikamenten; die erhöhte Komorbidität ist ein ebenfalls beachtenswerter Faktor.

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Den formalen Kriterien der RRN folgend stehen im ersten Teil des Buches Syndrome, Phänomene und Erkrankungen im Vordergrund, der zweite Teil beschäftigt sich mit den allgemeinen Therapieverfahren und geht in die gerontoneurologischen Grundlagen über. Die Kapitel sind folgende:

  1. Schwindel und Synkopen
  2. Gangstörungen und Stürze
  3. Harn- und Stuhlinkontinenz
  4. Anfallsleiden im Senium
  5. Schmerztherapie im Alter
  6. Krampussyndrome im Alter
  7. Schlafstörungen im Alter
  8. Demenz und Delir
  9. Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems
  10. Schlaganfall und assoziierte Krankheiten im Alter
  11. Bewegungsstörungen
  12. Schädel-Hirn-Trauma
  13. Rückenschmerzen
  14. Onkologie
  15. Nervenläsionen im Alter
  16. Polyneuropathien im Alter
  17. Myopathien im Alter
  18. Differenzialdiagnosen neurologischer Notfälle im Alter
  19. Psychiatrische Störungen im Alter
  20. Neuropharmakologie des alten Menschen
  21. Motorische Rehabilitation
  22. Rehabilitation von Aphasien und anderen Kommunikationsstörungen zerebraler Ursache
  23. Ernährung in der Gerontoneurologie
  24. Neurologische Palliativmedizin
  25. Grundlagen des Alterns
  26. Grundzüge des Sozialrechts und der Rechtsfürsorge
  27. Das neurogeriatrische Assessment
  28. Geriatrische Versorgungsstrukturen
  29. Besonderheiten der neurologischen Begutachtung im Alter
  30. Tests und Skalen in der Neurogeriatrie

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Das dem 1. Kapitel voranstehende Abkürzungsverzeichnis mit Symbolen dient dem Leser zur Orientierung und dem besseren Verständnis des nachfolgenden Gesamttextes.

Nahezu jedes dieser 30 Kapitel beginnt mit einer Definition in Checklistenform. Die inhaltliche Komplexität der einzelnen Kapitel wird in einer besonderen didaktischen Leichtigkeit hervorragend lehr- und lernbar gemacht. So sind sie multimedial aufbereitet, d. h. Merksätze und Relevantes sind in blaue Fenster gefasst; Graphiken, Illustrationen und Tabellen sind übersichtlich und sinnvoll platziert. Abgerundet werden die Kapitel jeweils mit spezifischen Literaturhinweisen, die dem Benutzer den sofortigen Zugriff zum thematischen Seitenblick ermöglichen. Ein Gesamtliteraturverzeichnis und ein ausführliches Sachverzeichnis beenden das Werk.

Summa summarum: Die 396 Seiten dieses Lehr- und Lernbuches sind an Neurologen, Psychiater, Neurowissenschaftler, Rehabilitationsfachleute und Lehrkräfte adressiert - eine Pflicht für alle, die in dieses brisante Thema bereits involviert sind oder es werden wollen.

William Faulkner hätte den Charakter dieses Buches nicht treffender formulieren können:

Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

Christopher Kahl, im Juli 2007